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Teil 2: Führung ist immer auch eine Einladung zum Tausch

 

 - Unterwerfung oder Loyalität?

 

Führung ist immer eine Einladung zu einer komplementären Haltung. Führung kann Unterwerfung und Verantwortungslosigkeit fördern (ich tue bloß, was mir befohlen wird). Führung kann aber auch zu Engagement für eine gemeinsame Sache einladen (Ich bin Teil eines gemeinsamen Tuns, das auf ein Ziel ausgerichtet ist, dem ich mich verpflichtet fühle). Führung kann Ziel und Weg vorgeben und sich auf die Kontrolle des Zielerreichungsgrades beschränken. Führung kann Begeisterung wecken. Führung kann berauschen und vernebeln oder für Klarheit sorgen. Führung kann eine Leistung für die Mitarbeitenden und/oder das Unternehmen sein. Führung kann Kreativität wecken oder dumm machen.

 

Freiheit und Sicherheit stehen sich leider fast immer diametral gegenüber. Sie sind zwei Pole auf einer Achse. Ein Mehr an Sicherheit hat in der Regel ein Weniger an Freiheit zur Folge und umgekehrt. Sich führen zu lassen bedeutet immer auch Freiheiten aufzugeben und Sicherheit zu gewinnen. Um Unterwerfung zu fördern, braucht es nur zwei Kriterien. Es muss ein Entlohnungssystem geben, das die Mitarbeiter abhängig macht und das funktioniert in der Wissensgesellschaft auch über ein hohes Einkommen. Um Unterwerfung zu fördern muss die eigene Macht gefestigt und demonstriert werden. Machtgebrauch und Unterwerfung bedingen sich gegenseitig. Jedes Anstellungsverhältnis ist immer ein Tauschgeschäft für beide Seiten. Mitarbeiter geben ihre Zeit, Lebensenergie und einen Teil ihrer Freiheit auf und bekommen dafür die Sicherheit eines regelmäßigen Einkommens. Doch wenn neben der Freiheit auch die Würde und der Respekt aufgegeben werden müssen, hat dies für viele Menschen drastische Aus- und Nebenwirkungen auf deren Haltung und Engagement.

 

Macht und Unterwerfung  ist ein System, das sich selbst stabilisiert, dessen Folgen berechenbar erscheinen und dessen Nebenwirkungen übersehen werden. Mitarbeitende, die zur Unterwerfung nicht bereit sind, verlassen diese Unternehmen. Fluktuation der Leistungsträger und Querdenker, Stress, Krankheit und Resignation bei denen die bleiben, sind häufige Folgen.

 

Gedanken und Erfahrungen zu unterschiedlichen Aspekten der Themen Psychologie und Führung werden in den nächsten Wochen folgen. Ich hoffe, dass diese Texte für Führungskräfte und Personalverantwortliche eine  inspirierende Bereicherung sind.

 

Ihr Thomas Stöcker  

 

Diskussion, Anregungen und Fragen an: info@personalentwicklung-stoecker.de